Mein Werdegang...

Ich beschäftige mich seit den 80er Jahren mit der Modelleisenbahn. Mein Opa hat meine erste Modelleisenbahn-Anlage auf 1,25 m x 0,80 m aufgebaut als ich 7 oder 8 Jahre alt war. Das war das einzige Mal, dass ich Hilfe hatte, danach habe ich mich selber um die Gleisplanung und die Umsetzung gekümmert. Es sind seitdem viele Modelleisenbahn-Anlagen in der Nenngröße TT entstanden, seit 2006 auch in H0 und später in H0e. Da die Größenverhältnisse der Spurweiten TT und H0 in normalen Wohnungen kaum einen Rundkurs zuläßt, habe ich mich mit dem Bau von Dioramen und Segment-Anlagen beschäftigt, teilweise nach realen Vorbildern, z.B. Dargun (H0), Friedland (TT) oder Perleberg (H0e).

2019 haben mich dann Depressionen und Nerven-Schmerzen durch den 3. Bandscheibenvorfall innerhalb kürzester Zeit aus der Bahn geworfen. Da die betroffene Bandscheibe ausgelaufen ist, fehlt mir ein Rückenpuffer und die Nerven leiten einen permanenten Schmerzreiz in beide Oberschenkel. 24 h täglich Schmerzen wie Messerstiche und dazu kreisen im Kopf nur negative Gedanken. Der Körper bekommt keine Pause, ist rund um die Uhr nur mit Schmerz und Bullshit im Kopf beschäftigt. Um 3 Uhr war jede Nacht vorbei, egal wann mir mit Hilfe von Schlaftabletten die Augen zugefallen sind. Die Modelleisenbahn war schon lange kein Thema mehr.... 

Es brauchte 4 Jahre, bis sich Geist und Körper soweit erholt hatten, dass ich morgens einen Sinn im "Aufstehen" fand. Ich brauche auch im Jahr 2026 noch täglich Anleitung... Rasieren, Baden, Duschen, Zähne putzen, Nägel schneiden, Friseur, neue Physio-Verordnungen, neue Rezepte, selbst das morgendliche Frühstück ist noch immer kein selbstverständlicher Vorgang. Abends kocht meine Frau, sie macht sich täglich Gedanken darüber, auf was ich wohl Hunger habe, denn von mir selbst kommen nur selten Wünsche. Alleine würde ich keine Woche durchstehen, von Behördengängen, Finanzen oder dem Postverkehr will ich gar nichts wissen, es würde mich nur belasten und die Birne komplett ausschalten. An "normalen" Tagen kann ich vielleicht Gespräche von maximal 5 min Dauer führen, an schlechten Tagen halte ich es keine 2 min aus. Ich verkrampfe dann in meinem Inneren, bin zum Bersten angespannt und hoffe bzw. flehe darum, dass es gleich vorbei ist. Für "Außenstehende" schwer nachvollziehbar, aber es fühlt sich an wie ein voller Wassereimer, in den immer weiter volle Pulle Wasser rein gegossen wird. Das Wasser schwappt einfach ständig wieder raus und so ist es auch in meinem Kopf. Er ist sehr schnell voll und dann passt einfach nichts mehr rein. Ich kann es nicht verarbeiten, was mir erzählt wird und der Körper sträubt sich entsprechend dagegen. Hin und wieder habe ich den Mut, meinem Gegenüber mitzuteilen, dass heute nicht mein Tag ist...

Den Weg der "Modellbahn-Therapie" könnt ihr auf der Startseite lesen, das möchte ich hier nicht wiederholen. 

Aktuell lebe ich von Ziel zu Ziel, anders wäre die tägliche Motivation schwer aufrecht zu erhalten. Die Ziele sind langjährig, zum Glück, so muss ich nicht von heute auf morgen denken. Das nächste große Ziel ist die Teilnahme an der Modellbahn-Ausstellung im Oktober in Zeuthen. Premiere hat dann die Erweiterung "von Tannenwalde nach Berenthin". Anschließend ist wieder Mittenwalde das Ziel, im Februar 2028. Dann mit dem vollen Programm "Perleburg - Tannenwalde - Berenthin". 

Im Kopf habe ich viele weitere Ideen, die Motivation dran zu bleiben ist hoch. Täglich mit einem positiven Gedanken oder Ziel aufzustehen, erleichtert den Tagesablauf enorm und wenn dies auch noch erreicht oder erledigt ist, gehe ich auch mit einem positiven Gefühl schlafen. Trotzdem ist die Angst immer präsent, morgen könnte es vorbei sein, nach dem Aufstehen ist da plötzlich Leere im Kopf, keine Motivation, kein Anreiz, kein Ziel, warum also aufstehen...

Der Grad ist sehr schmal und ein guter Tag ist auch immer durch viele Säulen gestützt: Familie, Physio-, Ergo-, Psycho-Therapie, Modellbahn-Freunde, die Modellbahn-Therapie, Reaktionen und Kommentare in Foren, Besucher meiner Homepage, Kunden-Aufträge, usw. Ich bedanke mich für jeden Tag, an dem ich Abends positiv und zufrieden zurück blicken kann. 

Das Allergrößte ist es aber, wenn sich jemand dafür bedankt, dass ich so offen mit meiner Erkrankung "Depressionen" umgehe und dies auch auf meiner Homepage und in lokalen Medien anspreche. Es kann jeden treffen, auch wenn manche der Meinung sind, dass sie da drüber stehen und es ihnen nicht passieren kann. Depressionen sind keine persönliche "Schwäche", sondern eine ernsthafte medizinische Erkrankung. Sie treffen den Körper und den Geist und man kann sie nicht durch Willenskraft, Liebe oder "zusammen reißen" überwinden. Habt ihr bei euch erste Anzeichen entdeckt, geht bitte zu eurem Hausarzt, man kann es nicht aussitzen oder verdrängen! Das schlimmste ist aber, es zu "Verstecken" und eine "Gute-Laune-Maske" aufzusetzen. Das kostet soviel Energie, dass es einen noch weiter hinunter zieht. Ich habe in den letzten Jahren viel Positives und auch Negatives in Arztpraxen, in der ambulanten und stationärer Therapie, in der Rehaklinik und bei Fachärzten erlebt, aber ohne die medizinische Komponente wäre ich nie wieder aus dem Loch heraus gekommen.

Habt ihr gerade eine akute psychische Krise, erhaltet ihr rund um die Uhr Hilfe über die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (sowie 116 123) oder beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

 

Gedankengänge beim Bauen eines Dioramas oder einer Modelleisenbahn-Anlage

* Es muss bezahlbar sein, z.B. darf eine Spielanlage für´s Kind vom Weihnachtsmann keine 1000,- Euro kosten - eine Starterpackung und eine einfache Anfänger-Anlage, die auch noch ins Kinderzimmer passt, kann man für sehr viel weniger bauen. 

* "Weniger" ist manchmal "Mehr" - Preis/Leistung muss stimmen - der Wald aus 20 Bäumen kann auch mal etwas preiswerter aussehen, als pro Baum 10 - 20 Euro zu bezahlen - Der Selbstbau von Bäumen braucht Zeit, für die eigene Anlage spart es Geld, für einen Kundenauftrag ist Zeit wiederum Geld. 

* Nutze auch mal gebrauchte Materialien, die man auf den ersten Blick nicht erkennt. 

* Nicht immer in "Gross" denken - lieber bastel ich 10 kleine Dioramen oder Kleinstanlagen im Jahr als mich jahrelang an einer raumfüllenden Anlage aufzuhalten - 10 x Freude verbreiten ist besser als 1 x 😁.

 

Auf meiner Homepage findet ihr Bilder vergangener Modelleisenbahn-Anlagen sowie meine aktuellen Projekte. Viel Spaß beim Anschauen und bei Fragen oder Nachfragen meldet euch über Email: ricosaenger@gmx.de oder über das Kontaktformular.